SHARING ­ ECONOMY


„Sharing is Caring“ und ähnliche Weisheiten verdeutlichen das Mindset der Sharing Economy. Dienste wie AirBnB oder Uber machten den Anfang damit, bestehende Kapazitäten besser zu nutzen und den Verbrauch von Ressourcen zu minimieren. Inzwischen sind durch die Digitalisierung der Arbeitswelt auch immer mehr Digitale Nomaden unterwegs, die dank der Sharing Economy flexiblere Wohnmöglichkeiten finden. Für Investoren bieten sich hier gute Möglichkeiten, beispielsweise in den Sparten Coliving und Coworking.
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Definition Sharing Economy


Sharing Economy lässt sich als „Wirtschaft des Teilens“ übersetzen. Vor allem bei Vertretern der jungen Generation, die zwischen 1980 und 2000 geboren ist, wird dieses alternative Wirtschaftsverständnis immer beliebter. Es basiert auf kapitalistischen Grundlagen, versucht aber, die zahlreichen vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen. In der Praxis funktioniert das meist über eine kurzfristige Miete – sei es jetzt ein Auto, ein Elektroroller oder eine Wohnung. Car-Sharing und Flat-Sharing machten den Anfang, aber inzwischen möchten viele Millennials auch flexibel arbeiten, was den Weg für das Konzept Coworking ebnete. Neben der Idee eines Kreislaufs in der Wirtschaft spielen auch soziale Kontakte eine wichtige Rolle in der Sharing Economy: Anstatt also ein anonymes Hotelzimmer zu buchen, entscheiden sich viele digitale Nomaden für eine Coliving-Wohnung und anstatt neue Kleidung zu kaufen, tauscht man vorhandene Stücke auf einem Kleiderflohmarkt. Dieser Trend zu mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft verändert die Gesellschaft, die angebotenen Produkte und auch den Fokus von Investoren.

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Nachhaltiger Konsum


Letztendlich ist es das Internet, das die Sharing Economy befeuert hat. Denn nur so ist es ganz leicht möglich, mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten oder Sharing-Dienste zu nutzen. Der Wunsch nach einem nachhaltigeren Konsum besteht allerdings schon lange. In den Jahrzehnten nach der Industrialisierung stellte sich heraus, welche drastischen Folgen der unbedachte Konsum auf unseren Lebensstil, aber auch auf die Umwelt und das Klima hat. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren wuchs das Umweltbewusstsein stark. In westlichen Ländern haben sich Begriffe wie „collaborative consumption“ und Nachhaltigkeit inzwischen einen festen Platz im Vokabular verdient und fast jeder Unter-40-Jährige ist Mitglied bei mindestens einem Sharing-Anbieter. Die Sharing Economy, die vor allem von AirBnB und Uber als feststehender Begriff geprägt wurde, soll eine nachhaltige Variante zum konsumgeprägten Kapitalismus darstellen. Letztendlich ist sie aber ein Bestandteil des Systems und nutzt kapitalistische Vorgänge und Prozesse.

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Peer-to-Peer-Sharing im Immobilienmarkt


Dabei wirkt sich die Sharing Economy nicht nur auf die Nutzung von Fahrzeugen oder Werkzeugen aus, sondern hat auch und vor allem im Wohnungsmarkt großen Einfluss. Durch AirBnb stoßen viele kommerzielle Vermieter und Hotels inzwischen an deutliche Grenzen. Sie können die Preise der privaten Anbieter nicht unterbieten. Noch wichtiger ist das persönliche Erlebnis, das eine Wohnung, die man von einer Privatperson mietet, bieten kann: Neben einer Begrüßung und einem netten Gespräch hat man als Kunde auch den Vorteil, die Lebensweise der Einheimischen näher kennenzulernen. Das langsame, bewusste und nachhaltige Reisen, das immer beliebter wird, spielt hier eine wesentliche Rolle.

Noch größeres Gewicht hat allerdings die steigende Tendenz zu temporären Wohnformen. Je mobiler die Gesellschaft wird, desto weniger möchte sie sich an einen festen Ort binden. Junge Menschen wechseln im Schnitt alle 1,5 Jahre ihren Arbeitsplatz und damit häufig auch ihren Wohnort. Dabei möchten sie keinen ganzen Hausstand mitnehmen oder sich in der neuen Stadt völlig neu einrichten müssen. Sie suchen gezielt nach fertig möblierten Apartments, die sie möglichst flexibel und kurzfristig mieten können. Für den Immobilienmarkt bedeutet dies, dass klassische Mietwohnungen zu einem nicht unbedeutenden Teil verdrängt werden. In einigen Städten – etwa in Barcelona – haben Plattformen wie AirBnB einen übermächtigen Marktanteil. Für Investoren bietet diese Veränderung jedoch großes Renditepotenzial, denn die Nachfrage nach möblierten Apartments ist größer denn je.

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Coworking als Teil der Sharing Economy


Besonders relevant ist das Peer-to-Peer-Sharing für junge Selbstständige, die als sogenannte Digitale Nomaden ortsunabhängig arbeiten. Sie möchten regelmäßig eine neue Stadt oder ein neues Land erkunden. Auch deutsche Städte sind bei dieser Zielgruppe sehr gefragt. Für Investoren ist es daher interessant, neben klassischen Immobilien auch Coworking-Spaces anzubieten. Dabei handelt es sich um offene, freundliche und modern eingerichtete Räume, in denen Arbeitende sich tage-, wochen- oder monatsweise einmieten. Sie erhalten einen Arbeitsplatz, eine Highspeed-Internetverbindung und Extras wie kostenlosen Kaffee oder Zugang zu einer Dachterrasse. Besonders wichtig ist die Vernetzung mit den „Peers“, also mit gleichgesinnten Selbstständigen, die einen Arbeitsplatz mit einem Gemeinschaftsgefühl suchen. Da Digitale Nomaden in unregelmäßigen Abständen nach einem neuen Coworking-Space suchen, sind klassische Büroräume weniger für sie geeignet. Mit wachsendem Anteil an ortsunabhängig Arbeitenden steigt somit auch die Nachfrage nach flexiblen Büroräumen im Sinne der Sharing Economy.

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Coliving als Teil der Sharing Economy


Neue Trends der Sharing Economy kommen meist aus den USA, dem Heimatland von AirBnB, Uber & Co. So ist auch Coliving nach Deutschland gekommen und inzwischen eine beliebte Wohnform hierzulande. Dabei geht es darum, die Coworking-Vorteile des gemeinschaftlichen Arbeitens mit einer WG zu kombinieren. Kleine Räume zu verschiedenen Preisen, eine gemeinschaftliche Zone, ein Coworking-Bereich und weitere Annehmlichkeiten wie ein Garten sind in einem Gebäude vereint. So können Digitale Nomaden, aber auch Studierende und andere mobile Mieter ohne die klassische Bindung eines Mietvertrags für die gewünschte Zeit eine Wohnung oder ein Zimmer mieten. Gleichzeitig leben sie in einer produktiven Arbeitsatmosphäre und profitieren von der Expertise ihrer Mitbewohner. Leben und Arbeiten gehen Hand in Hand – ein gutes Beispiel für Work-Life-Blending. Ähnlich wie beim Coworking stehen die Gemeinschaft und der Networking-Aspekt im Vordergrund. So werden Coliving Spaces zur modernen WG für temporäre Mieter.