WORK-LIFE-BALANCE


Der Begriff Work-Life-Balance steht für einen ausgewogenen Lebensstil. Er zielt darauf ab, die verschiedenen Lebensbereiche langfristig in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen. Die alleinige Fokussierung auf das Berufsleben ist schon länger als Ursache stressbedingter Krankheiten wie Burnout bekannt. Enormer Stress und Leistungsdruck wirken sich zudem kontraproduktiv auf die Leistungsfähigkeit aus. Mit Work-Life-Balance-Maßnahmen versuchen Unternehmen daher, ihren Mitarbeitern ein ausgewogenes Verhältnis von Privat- und Berufsleben zu ermöglichen.

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Was ist Work-Life-Balance?


Vereinfacht betrachtet erfordert die Work-Life-Balance, das Berufsleben mit dem Privatleben in Einklang zu bringen. Die dynamischen Entwicklungen von Wirtschaft und Gesellschaft haben zusammen mit der Digitalisierung dazu geführt, dass sich Berufs- und Privatleben kaum noch voneinander trennen lassen. Die ständige Erreichbarkeit über Smartphone und PC hat zur Folge, dass vielen die Zeit und die Muße fehlen, um sich ausreichend zu regenerieren. Die Auswirkungen sind nicht nur für karriereorientierte Mitarbeiter drastisch: Stressbedingte Krankheiten nehmen zu und führen im schlimmsten Fall zum Burnout.

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Die Folgen fehlender Work-Life-Balance


Laut einer Studie der DAK-Gesundheit hat sich in den letzten 20 Jahren die Anzahl der Fehltage, die auf stressbedingte psychische Erkrankungen zurückgehen, um mehr als das Dreifache erhöht. Insbesondere seelische Erkrankungen führen zu besonders langen Fehlzeiten und machen mittlerweile 17 % des gesamten Krankenstands aus. Die Betroffenen fehlen im Durchschnitt 38 Tage im Jahr. Bei Frauen sind psychische Erkrankungen sogar für die meisten Krankschreibungen verantwortlich. Die fehlende Balance zwischen Arbeit und Privatleben hat außerdem körperliche Auswirkungen: Viele Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Kopfschmerzen und das Volksleiden Rückenschmerzen stehen in direktem Zusammenhang mit großem Stress und fehlenden Ausgleichszeiten.

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Merkmale einer guten Work-Life-Balance


Eine harmonische Work-Life-Balance zeichnet sich dadurch aus, dass man allen relevanten Lebensbereichen genügend Zeit und Energie widmen kann. Eine einseitige Konzentration auf den Job führt ebenso zu einem Ungleichgewicht wie die einseitige Fokussierung auf das Privatleben. In Balance ist ein Mensch nur dann, wenn er alle Faktoren, die ein gesundes und glückliches Leben ausmachen, adäquat berücksichtigt. Dazu gehören

  • Job und Karriere,
  • Familienleben,
  • Sport,
  • Gesundheit,
  • Hobbys,
  • Freundschaften.

Welchen Anteil die verschiedenen Lebensbereiche an der Work-Life-Balance haben, ist individuell verschieden. Es kommt jedoch darauf an, eine einseitige Ausrichtung auf den Beruf zu vermeiden, um ein persönliches Gleichgewicht zu finden. Obwohl die oben genannten Lebensbereiche für jeden Menschen unterschiedlich wichtig sind, sollten einzelne Aspekte nicht völlig vernachlässigt werden. Sport macht beispielsweise nicht jedem Spaß. Bewegung in das Leben zu integrieren, ist jedoch unverzichtbar, um gesund zu bleiben.

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Gesetzliche Grund­lagen der Work-Life-Balance


In Deutschland gibt es verschiedene gesetzliche Regelungen, die das Thema Work-Life-Balance betreffen:

  • Arbeitszeitgesetz (ArbZG),
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG),
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV),
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV),
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV),
  • Bundesurlaubsgesetz (BUrlG),
  • Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG),
  • Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG),
  • Kündigungsschutzgesetz (KSchG).

All diese gesetzlichen Regelungen dienen der Stärkung der Arbeitnehmerrechte. Beispielsweise schreibt das Arbeitszeitgesetz vor, wie lange am Tag ein Arbeitnehmer maximal arbeiten darf. Daneben gibt es Regeln zu den Pausen während der Arbeitszeit und zwischen den Arbeitstagen. Das Arbeitsschutzgesetz dagegen thematisiert Maßnahmen, die die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer verbessern sollen. Auch die Arbeitsstättenverordnung und die Bildschirmarbeitsverordnung regulieren sicherheitstechnische und gesundheitliche Aspekte der Arbeit. Im Bundesurlaubsgesetz ist geregelt, welche Mindestbestimmungen Arbeitgeber beim Erholungsurlaub ihrer Mitarbeiter einhalten müssen. Explizit um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht es im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, das regelt, wie die Elternzeit organisiert und in welcher Höhe Elterngeld gezahlt wird. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz soll die Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten und befristet beschäftigten Mitarbeitern verhindern und auch das Kündigungsschutzgesetz stärkt die Rechte der Arbeitnehmer, indem es die Kündigungsfreiheit auf Seiten der Arbeitgeber beschränkt.

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Work-Life-Balance: eine Generationenfrage


In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verständnis dessen, was ein ausbalanciertes Leben ist, grundsätzlich verändert. Das hängt damit zusammen, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt transformiert hat und junge Menschen tendenziell höhere Ansprüche an eine Berücksichtigung privater Interessen stellen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist deshalb ein Thema, dem Unternehmen mehr Aufmerksamkeit widmen, um in Zeiten des demographischen Wandels Mitarbeiter zu rekrutieren und dauerhaft zu binden.

Bei Fragen rund um die Work-Life-Balance gibt es aber auch Unterschiede zwischen den Generationen. Die Generation der Baby Boomer (1955 bis 1965) beispielsweise ist stark karriereorientiert und betrachtet einen sicheren Arbeitsplatz, geprägt von Jahrzehnten der Massenarbeitslosigkeit, als erstrebenswert. Diesem Ziel wird das Privatleben weitgehend untergeordnet. Die Generation X (1965 bis 1979) geht konsequent einen anderen Weg: Ziel dieser gut ausgebildeten Arbeitnehmer ist ein Leben in materiellem Wohlstand, allerdings wird auch Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance gelegt und entsprechend eingefordert.

Die Generation Y (Millennials oder Digital Natives – 1980 bis 1994) wiederum sieht die Welt komplexer. Klimawandel, Terrorismus und Globalisierung bestimmten die Schlagzeilen ihrer Jugend. Die Millennials empfinden die Welt als schnelllebig und schwer beeinflussbar. Sie versuchen daher, das Leben zu genießen. Im Beruf suchen sie Erfüllung und bevorzugen Teamwork. Aufgrund des Bewusstseins, den demographischen Wandel auf ihrer Seite zu haben, fordern sie nachdrücklich Work-Life-Balance-Maßnahmen von ihren Arbeitgebern. Die Generation Z (ab 1995) geht noch weiter: Für diese jungen Menschen ist Arbeit nur ein Teil des Lebens und keinesfalls sein einziger Sinn. Arbeitslosigkeit ist bei entsprechender Ausbildung kein Thema und so rückt der Wunsch nach Sinnhaftigkeit und Spaß an der Arbeit in den Vordergrund. Work-Life-Balance ist für die junge Generation somit selbstverständlich und wird von dieser Generation erwartet.

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Betriebliches Gesundheitsmanagement


Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist ein wichtiger Baustein einer gelungenen Work-Life-Balance. Arbeitgeber haben heutzutage ein Interesse daran, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die die Gesundheit und die Work-Life-Balance fördern. Einerseits helfen sie so Mitarbeitern der Generation X, die nach jahrzehntelanger Fokussierung auf den Beruf häufig unter stressbedingten Krankheiten leiden. Andererseits sind sie so für junge Arbeitnehmer attraktiver. Die Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements zielen darauf ab, die Gesundheit zu fördern. Stress-Seminare, Sportangebote und Programme zur Rauchentwöhnung sind Beispiele für Maßnahmen, mit denen Arbeitgeber die Gesundheit und somit die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter fördern. Ergonomie am Arbeitsplatz ist ebenfalls ein wichtiges Thema des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

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Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeitmodelle


Die jüngeren Generationen fordern neben den Angeboten des betrieblichen Gesundheitsmanagements zunehmend flexible Arbeitszeitmodelle. Gleitzeitmodelle und Teilzeitarbeit oder Home Office erleichtern es Familien, die Betreuung von Kindern mit dem Berufsleben zu vereinbaren. Lebensarbeitszeitkonten, Sabbaticals und Pflegezeiten sind weitere Möglichkeiten, die Work-Life-Balance zu verbessern. Am Arbeitsplatz bieten Freizeitangebote wie Fitnessräume, Ruhezonen, eine gesunde Verpflegung und interne Kindertagesstätten Optionen, die Work-Life-Balance zu fördern.

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Positive Effekte der Work-Life-Balance


Mitarbeiter profitieren von Work-Life-Balance-Maßnahmen durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Stressbedingte Erkrankungen treten zudem seltener auf, wodurch die Motivation und die Arbeitszufriedenheit steigen. Aber auch für Unternehmen lohnen sich die Maßnahmen, denn sinkende Fehlzeiten, Leistungssteigerungen und die höhere Motivation der Arbeitnehmer manifestieren sich in besseren wirtschaftlichen Ergebnissen. Nicht zu vernachlässigen ist der Faktor der Mitarbeiterbindung, der in Zeiten des Fachkräftemangels immer wichtiger wird.